FLEXIBEL UND STRUKTURIERT, HART UND WEICH ZUGLEICH?

Wie stellen wir uns auf im 21 Jahrhundert:

FLEXIBEL UND STRUKTURIERT, HART UND WEICH ZUGLEICH?

Die Frage der Organisiertheit von Unternehmen stellt sich als Grenzgang dar.
Da gibt es auf der einen Seite den Anspruch an Unternehmen, möglichst flexibel und rasch auf die Wünsche und Bedürfnisse von Kunden einzugehen. Und ein großer Teil der MitarbeiterInnen sehnt sich nach einem Job, in dem er/sie die eigene Handschrift einbringen kann. In dem selbstbestimmtes und sinnorientiertes Arbeiten möglich ist. Schließlich haben wir nur dieses eine Leben.

Das schreit nach Organisiertheit in Unternehmen mit möglichst wenig Hierarchen, autonomer Entscheidungsfähigkeit, vielleicht sogar selbstorganisierten Teams.

Auf der anderen Seite normieren, standardisieren und kontrollieren wir in Unternehmen heute bis in die kleinsten Details und bis in die entfernteste Außenstelle. Die Digitalisierung macht´s möglich. Das erlaubt den Unternehmen Produkte und Dienstleistungen in maximaler und standardisierter Qualität, möglichst rasch und kostengünstig zu Kunden zu bringen. Nur dann sehen Kunden die Nutzenversprechen eingelöst und sind bereit dafür Geld in die Hand zu nehmen. Und nicht selten fordern MitarbeiterInnen von den Führungskräften „Leadership“ und die konsequente Übernahme von Verantwortung. Gerade dann, wenn es um unangenehme Entscheidungen geht.

In dieser widersprüchlichen Anspruchssituation sind die eindeutigen Antworten nicht zu haben. Vielmehr geht es darum, die Organisation dafür aufzustellen Beides zu können. Hart und weich zugleich.

Die Frage lautet aus unserer Sicht: wie schaffen wir ein Mehr an Freiheit in einem gesicherten Rahmen. Das ist ein schwieriger Prozess des Ringens um neue Arbeits-, Führungs- und Kooperationsweisen.

Doch es lohnt allemal, wie uns jeder Organismus in der Natur vorführt, der in turbulenten Umwelten zuhause ist.

„Die Bäume, die sich schmiegen stehen an ihren Wurzeln unversehrt und die sich sträuben kommen samt der Wurzel um“ meinte schon Sophokles

Wir nennen unsere Überlegungen dazu „Organisation 7.0“. Wir sind überzeugt, dass es möglich ist Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln, in der Menschen gemeinsam Ziele erreichen und dabei ein hohes Maß an individueller Entfaltung möglich ist.

Aus gegebenem Anlass:
Eine deckungsgleiche Widersprüchlichkeit tut sich in der staatlichen Organisiertheit auf. Wie weit halten wir Freiheit in unserer liberalen parlamentarischen Demokratie hoch, wo sie so anfällig ist für Missbrauch durch die Egoisten und Intoleranten? Schütten wir das Kind gleich mit dem Bad aus und rufen nach law and order und Überwachung. Möchte ich in einer derartig reglementierten Gesellschaft leben? Gleichzeitig: welche Regeln sind erforderlich, um einen geordneten und gerechten Rahmen gesellschaftlichen Handelns zu schaffen? Wie subsidiär und föderal soll der Staat organisiert sein, um Eigenverantwortung ins Zentrum zu stellen. Was soll zentralistisch geregelt werden, um Einheitlichkeit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Auch hier gilt: Das ist ein schwieriger Prozess des Ringens um Kompromisse, das ist Überzeugungsarbeit und Dialog auf Augenhöhe. Das ist oft mühsam und langwierig. Das ist letztlich gelebte Demokratie.